Der Begriff des "außerschulischen Lernorts"
ist in der Pädagogik wohlbekannt. Es handelt sich um "Orte" außerhalb
der Schule, die von der Lehrerin oder dem Lehrer gemeinsam mit der
Klasse aufgesucht werden, um dort zu lernen.
Wieweit außerschulische
Lernorte genutzt werden, hängt von vielen Faktoren ab: vom
Unterrichtsfach, von der Lehrkraft, von dem Vorhandensein/Bekanntsein
solcher Lernorte und mehr.
Ein besonders "exkursionsgeprüfter" Schüler,
dessen Lehrer die Klasse immer wieder zu außerschulischen Lernorten
führt, hat für den Deutschunterricht darüber eine Hausarbeit geschrieben.
Hier der Original-Text:
In
den vergangenen Monaten unternahmen wir als Klasse regelmäßig
Exkursionen. Wir besuchten zahlreiche Messen und Betriebe, die zu
unserem Bildungsgang Metall- und Automatisierungstechnik passen, und sich damit beschäftigen, allerdings muss dafür leider der
reguläre Unterricht ausfallen. So gilt es zu klären, vor allem weil
Lehrer und Schüler darüber diskutieren und es wirklich zum "Thema"
geworden ist, ob es wirklich sinnvoll ist, diese bildungsgangbezogenen
Exkursionen zu unternehmen oder ob es nur ein "Ausflug" ist, über den
sich die Schüler freuen, da deswegen der Unterricht ausfällt.
Bestes
Beispiel dafür wären die Exkursionen mit dem Herrn Plagemann, dieser
Lehrer gibt sich wirklich viel Mühe, organisiert alles und ermöglicht es
uns statt normal den Unterricht zu besuchen, mal auf eine Messe zu
fahren oder sich im Betrieb den praktischen Bezug zu unserem
Bildungsgang anzusehen.
Ein
fester Treffpunkt ist zwar immer vereinbart, bei dem die Anwesenheit
kontrolliert wird und danach wird uns freie Hand gelassen. Dies hat zu
Folge, dass sich ein Teil der Schüler schon nach kurzer Zeit wieder auf
den Weg nach Hause machen und genau diese Freiheit ausnutzen. Mit
folgenden Argumenten und anschließend meiner eigenen Meinung möchte ich,
Ihnen die Möglichkeit geben sich selbst ein Bild zu diesem Thema zu
machen und ein Urteil daraus zu bilden.
Gegen die Exkursionen spricht
natürlich, dass an diesen Tagen natürlich der Unterricht entfällt und
dadurch wertvolle Unterrichtszeit verloren geht. Dies kann fatale Folgen
haben? Wären wir in der Schule, hätten wir die Zeit zum Lernen nutzen
können, vor allem wenn man sich mal anschaut, wie kurz unser Schuljahr
ist und wie viele Tage sowieso schon allein durch Ferien und Feiertage
entfallen. Beispielsweiße in lernintensiven Fächern wie Mathe hätte man
die verloren gegangenen 6 Stunden sinnvoll nutzen können.
Darüber
hinaus werden die Exkursionen oftmals auch stark in Frage gestellt, weil
manche Schüler diese wirklich als reine Spaßveranstaltungen sehen, da
es keinen Lehrer gibt, der einen ermahnt, wenn man sich schlecht
benimmt, an diesem Tag dafür die Schule ausfällt, man meistens noch
länger schlafen kann, da diese später anfangen und man zudem noch früher
zuhause ist. Ich habe selbst schon einmal bei einem Messebesuch erlebt,
dass sich Schüler zwar morgens angemeldet haben, für 20 Minuten in die
erste Messehalle gegangen sind und sich danach direkt wieder auf den
Heimweg gemacht haben. Für den Lehrer ist es nicht nachvollziehbar, da
uns die Freiheit gelassen wird, uns frei durch die Messe zu bewegen. Die
Problematik bei der Sache; diese Freiheit wird von uninteressierten
Mitschülern schamlos ausgenutzt! Sollte uns das nicht zu denken geben?
Ein
weiteres Argument ist, dass man in Zukunft weniger Exkursionen machen
sollte, weil diese im Gegensatz zum normalen Unterricht Geld kosten und
man für sein Geld auch nicht immer das bekommt, was man erwartet hat.
Der Lehrer schlägt zum Beispiel eine Messe vor, es wird dafür gestimmt
und somit ist es eine Pflichtveranstaltung, man bezahlt sein Geld, fährt
am besagten Termin dort hin und lässt sich überraschen was da auf
jemanden zukommt. Wenn jemanden beispielsweise die Thematik absolut
nicht anspricht und derjenige unzufrieden ist und direkt wieder nach
Hause fährt, wird diese Person ihr Geld sicherlich nicht wieder zurück
bekommen auch wenn derjenige nur 1 Minute in der Messehalle war.
Zusätzlich
ist festzustellen, dass es für uns viel leichter ist, zur Schule zu
kommen als beispielsweise nach Düsseldorf zu fahren, da wir den
Anfahrtsweg und die Bus/Bahn-Verbindungen kennen und man sich im
Gegensatz dazu in einer fremden Stadt absolut nicht auskennt und viel
länger braucht.
Kommen wir nun zu den Tatsachen die für die Exkursionen sprechen.
Die
Exkursionen sollten weiterhin betrieben werden, da dies mal eine gute
Abwechslung zum normalen Schulalltag ist. Dieser Punkt erscheint auf den
ersten Blick unwichtig, aber glauben Sie mir, jeder Schüler freut sich,
wenn er sich einmal nicht für den nächsten Tag vorbereiten und keine
Hausaufgaben erledigen muss, sondern einfach mal entspannt einen Ausflug
genießt und dabei trotzdem etwas lernt.
Zusätzlich ist
festzustellen, dass die Exkursionen auch sehr entscheidend für das
spätere Leben der Schüler sein können, da beispielsweiße bei
Betriebsbesuchen immer ein Vortag gehalten wird, in dem auch die
möglichen Ausbildungsberufe vorgestellt werden. Daher sind Exkursionen
gar nicht mal so schlecht für unsere Zukunft. Dadurch kann man sich ein
besseres Bild speziell von diesem Ausbildungsberuf bezogen auf den
Betrieb machen, findet möglicherweise Interesse daran, bewirbt sich,
wird angenommen und macht dort schließlich seine Ausbildung. Um ein
konkretes Beispiel zu nennen, als wir zu Besuch bei Mercedes Benz in
Düsseldorf waren, erzählten die Auszubildenden einiges über die
Ausbildung dort und motivierten uns auch, sich dort zu bewerben.
Außerdem
kommt noch hinzu, dass die Exkursionen für die Schüler sehr wichtig
sind, um die neuen Entwicklungen und Technologien der Industrie
kennenzulernen und um zu wissen was der aktuelle Stand der Technik ist,
da wir in der Schule ja sehr theoretisch arbeiten und die praktischen
Mittel, die uns in der Schule zu Verfügung stehen, oft veraltet und vor
allem nur Lehrmittel sind und keine Technik, die auch so in der
Industrie verwendet wird. Beleg dafür sind zum Beispiel auch die
Maschinen in unserer Schulwerkstatt, die sind bereits ca. 20-30 Jahre
alt und daher absolut nicht vergleichbar mit den HIGH-TECH Dreh- und
Fräsmaschinen die man auf Messen zu sehen bekommt.
Man darf bei
dieser Sache auch nicht den sozialen Aspekt übersehen. Solche
Exkursionen sind auch was das Soziale anbelangt in vielerlei Hinsicht
besser als der Unterricht, da Schüler und Lehrer mehr Zeit haben, sich
miteinander zu unterhalten, dadurch lernt man sich besser kennen und die
Klassengemeinschaft wird gestärkt. Man sammelt über die Zeit zusammen
viele positive Erinnerungen an die man sich gerne zurückerinnert.
Ein
weiterer wichtiger Punkt der für die Exkursionen spricht ist auch, dass
es immer wieder eine Möglichkeit ist, eine gute Note für einen
Fachbericht zu bekommen, wobei es bei einer klassischen Klassenarbeit
nicht so leicht möglich ist, da man für einen Fachbericht meisten eine
ganze Woche Zeit hat, man in Ruhe zu Hause arbeiten kann und sich vor
allem die Zeit selbst einteilen muss und bei einer Klassenarbeit unter
Druck steht und einem direkt gesagt wird, wann und in welcher Zeit die
gegebenen Aufgaben zu erfüllen sind.
Entscheidend ist jedoch, dass
man die Exkursionen in jedem Fall weitermachen sollte, da es für junge
Schüler, angehende Lehrlinge oder auch zukünftige Studenten sehr
spannend ist, das, was wir theoretisch im Unterricht gelernt haben,
einmal praktisch angewendet live zu erleben und sich ein Bild davon
machen zu können, wie die wirkliche Arbeit in dieser Branche aussieht
und worauf wir uns in Zukunft einstellen können. Um noch einmal auf das
Beispiel Mercedes Benz zurück zu kommen, dort konnte man den Arbeitern
an den einzelnen Station auch direkt live bei der Arbeit zu sehen und
daher weiß unsere Klasse nun Bescheid, welch hohe Ansprüche in der
Automobilbranche gestellt werden, mit welcher Präzision und
Schnelligkeit man dort arbeiten "muss", da man sich so einen
Produktionsablauf wie ein großes Getriebe vorstellen kann, in dem jeder
einzelne der dort arbeitet ein Zahnrad darstellt. Läuft einmal irgendwas
schief oder im falschem Tempo so wird der komplette Ablauf behindert.
Abschließend
lässt sich sagen, dass man weiterhin Exkursionen machen sollte, da es
für interessierte und lernwillige Schüler eine gute Alternative zum
normalen Unterricht ist und solche Ausflüge auch eine gute Möglichkeit,
neue Dinge kennenzulernen und sich auszuschauen, wie es in der
wirklichen Industrie abläuft, und was uns erwartet. Natürlich ist es
etwas schade, dass der Unterricht dafür entfällt, aber auf solchen
Exkursionen kann man entscheidende Erfahrungen sammeln und Informationen
mitnehmen die im Unterricht nicht behandelt werden können. Ich vertrete
auch den Standpunkt, dass Exkursionen weiterhin unternommen werden
sollten, da es sehr wichtig ist, mal den praktischen Bezug dazu zu
haben, was man so trocken in der Schule beigebracht bekommt. Am
stärksten überzeugt mich der Grund, dass einem die Chance gegeben wird,
sich unter vergleichsweise vorteilhaften Bedingungen eine sehr gute Note
erarbeiten zu können.
M.C.
T FHR 12A, Dezember 2010
(Hausarbeit für das Fach Deutsch/Kommunikation)
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